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Samstag, 11. September 2010

Der Wandel in Bergerhausen

Auch vor Bergerhausen macht eine Entwicklung nicht Halt: der einst dörfliche Charakter ist dem eines anonymer werdenden, urbanen Wohngebietes gewichen. Für manche Alteingesessene ist das gewöhnungsbedürftig.

Wer aus dem Südosten mit dem Auto in die Innenstadt oder auf die A 52 will, passiert zwangsläufig Bergerhausen. Die viel befahrene Ruhrallee hat für den Stadtteil einen sehr einschneidenden Charakter – heute mehr denn je. Abseits der trennenden Blechlawine liegen die Wohngebiete, oft eingerahmt von Grünflächen. Doch auch vor Bergerhausen macht eine Entwicklung nicht Halt: der einst dörfliche Charakter ist, bedingt durch die Nähe zum Stadtkern, dem eines anonymer werdenden, urbanen Wohngebietes gewichen.

Für manche Alteingesessene ist dieser Wandel gewöhnungsbedürftig. Hermann Welp, Jahrgang 1954, führt in dritter Generation die Bäckerei der Familie. Seit 1911 buken seine Vorfahren ihre Brötchen im Stammhaus an der Rellinghauser Straße 286. „Eigentlich wurde der Stadtteil durch Zechen und Industrie geprägt“, weiß Welp. Einige gehörten zu den ältesten Bergwerken im Ruhrgebiet, die noch hübsche Namen hatten: Kunstwerker, Sonnenschein oder Wasserfall. 1963 schloss mit Zeche Ludwig die größte und bekannteste. „Es wurde alles platt gemacht“, so der Bäcker.

Bäckermeister Hermann Welp im Zentrum von Unterbergerhausen

Das gleiche Schicksal ereilte auch die „Kappesfabrik“ in der Werrastraße. „Dort wurde aus Kohlköpfen Sauerkraut gemacht“, erzählt der Bergerhauser. Damals hätten noch Pferdewagen die „Kappesköppe“ über Kopfsteinpflaster transportiert. „Die Kinder haben die heruntergefallenen stets aufgesammelt“, lacht er.

Auch Orte seiner Jugend sind verschwunden, neue Bauten nahmen ihren Platz ein. „Hinter der Sparkasse an der Weserstraße war der ,Alte Ludwig‘. Das Feld war Spielplatz und Treffpunkt zugleich“, sagt Welp. Dort befand sich auch ein alter Bunker, der irgendwann zugeschüttet wurde. Gleiches gilt für die Tulpenfelder der Gärtnerei Schley - hier befindet sich nun der Büropark an der Ruhrallee. „Wir Kinder durften schon damals nur bis zur Ruhrallee, aber nicht herübergehen“, erinnert sich Welp.

„Coca Cola“-Siedlung ist immer noch ein gebräuchlicher Begriff für die Diemelstraße

Nach dem Zweiten Weltkrieg sorgten die Siedlungen für spezielle Berufsgruppen für ein Ansteigen der Bevölkerungszahlen. Familien mit fünf bis sechs Kindern seien keine Seltenheit gewesen. „Im Lionweg war Schutzmannshausen“, lacht Hermann Welp über den Volksmund. Gemeint ist eine ehemalige Polizisten-Siedlung.

An der Weserstraße war die Heimstatt vieler Postler - und der dortigen Gagfah-Siedlung, in der Lehrer und Finanzbeamte unterkamen. „Da kam auch niemand anderes in die Wohnungen herein“, so Welp. Viele sind bereits restauriert worden und die Wohnungsbaugesellschaften bieten sie zum Kauf an. Die Gärten hinter den Häuserblöcken sind grüne Oasen. Spechte, Eichhörnchen und Co. haben die Flächen für sich entdeckt.

„Coca Cola“-Siedlung ist immer noch ein gebräuchlicher Begriff für die Diemelstraße. Bis zum Umzug nach Berlin hatte der Getränkeriese seine Europa-Zentrale und eine Abfüllanlage an der Max-Keith-Straße, im heutigen Gewerbegebiet „Zeche Ludwig“. „Die Leute waren richtig traurig, als die weggingen“, meint Hermann Welp. Heute sitzen in dem Areal, das vom Walpurgistal, der Rellinghauser Straße und der A 52 eingegrenzt wird, Handwerker, KfZ-Werkstätten, Dienstleister, und Supermärkte.

Ein Blickfang ist das fünfstöckige ehemalige Verwaltungsgebäude des Großhandels „Nürnberger Bund“ am Ende der Schürmannstraße - ein denkmalgeschützter Bau von 1925. Zum Walpurgistal hin erstrahlt das Ensemble des uralten Schürmannhofes, der auch unter dem Namen „Bauer Gantenberg über die Grenzen Bergerhausens bekannt ist.

Das ehemalige Verwaltungsbebäudes des „Nürnberger Bundes“ aus dem Jahre 1924 an der Schürmannstraße

„Im Winter konnte man dort immer gut Schlitten fahren“, erzählt Welp. 2004 erwarb Dieter Ochel, Schäfer und Ingenieur, den Hof von der Stadt und realisierte dort Seniorenwohnen mit Tieren. Seither erfreut sich eine kleine Alpaka-Herde großer Beliebtheit.

Schließung von St. Raphael

Der Wandel in Bergerhausen ist auch mit dem Verlust von Eigenständigkeit einhergegangen. Das trifft auch auf die Katholiken zu. Als einzige Heimat ist die dreischiffige, neugotische Hallenbasilika St. Hubertus verblieben. Die Kirche an der Töpferstraße wurde von 1912 bis 1914 nach den Plänen von Josef Kleesattel gebaut. Unmut löste dagegen die Schließung der in den 1960er Jahren errichteten Kirche St. Raphael an der Peenestraße aus. Sie soll in ein Mehrgenerationen-Wohnprojekt umgebaut werden. Die Umsetzung lässt jedoch auf sich warten.

Die Bergerhauser Gemeinde gehört mittlerweile zu St. Lambertus in Rellinghausen. Eine gewisse Rivalität zwischen den beiden Stadtteilen kann auch Hermann Welp nicht leugnen. „Das war besonders auf der Bezirkssportanlage ,Am Krausen Bäumchen’ zu bemerken“, sagt der Bäcker. Aus den Konkurrenzvereinen ist mittlerweile der ESC Rellinghausen 06 hervorgegangen. „Besonders unter den Jugendlichen hat man sich mit Argusaugen beobachtet, etwa wenn die Bergerhauser zur Annen-Kirmes auf dem Ardey-Platz gingen“, blickt er zurück.

Die „Grenzkonflikte“ haben zum Teil auch eine ironische Note. „Auf der Bergerhauser Seite im Annental war eine Kläranlage, auf Rellinghauser Seite die schöne Annenkapelle“, stichelt er. Einen historischen Bezug gibt es auch. Daran erinnert die Straße „Am Krausen Bäumchen“. Als eine Art Wegkreuz sei sie, so Welp, Grenze der Gerichtsbarkeit des Rellinghauser Stiftes gewesen. Der Ausspruch „Wir sind noch nicht am krausen Bäumchen“ meint soviel wie „Man hat sein Ziel noch nicht erreicht“ – das könnte auch für Bergerhausens Zukunft gelten.

Quelle: DerWesten.de

Montag, 10. Mai 2010

Unser Wappen - Das Herzstück Bergerhausens

Nicht nur den Bergerhausern selber ist das farbenprächtige Wappen, welches im Kopf dieser Seite zu bewundern ist, gut bekannt. Auch in anderen Stadtteilen weiß man das rot-grüne Emblem dem richtigen Teil von Essen zuzuordnen. Ein Resultat aus der unendlichen Identifikation, die in unserem Heimatstadtteil herrscht. Kaum in einem anderen Essener Bezirk wird das eigene Stadtteilemblem so sehr verehrt wie in Bergerhausen. Das Logo des Lieblingsvereins steht diesem dabei oft kaum nach! Ein Beleg für die weitreichende Heimatliebe ist unteliegendes Bild, das bei der Eröffnungsfeier des Bergerhauser Szenetreffs, dem 'Vis-á-vis', aufgenommen wurde. Eine solches Ausmaß an Identifikation mit dem heimischen Stadtteil ist mehr als lobenswert! Dem Träger des Tattoos gebührt Respekt!

Doch auch ein fundiertes Wissen über die Heimat sollte einen Lokalpatrioten auszeichnen, so dass ich es mir auf die Karte geschrieben habe, näher auf das Herz von Bergerhausen - unser Wappen - einzugehen!

Entworfen wurde das Wappen Ende der 70er Jahre vom Essener Heraldiker Kurt Schweder, der auch alle weiteren Essener Stadtteilwappen gezeichnet hat. Schon damals erkannte Schweder die große Bedeutung der Wappen: "Je größer eine Stadt wird, um so rühriger sind die Stadtteile bemüht, ihr Eigenleben zu manifestieren. Ein eigenes Wappen füllt eine Kommunikationslücke." Als Mitglied in den bedeutendsten Gesellschaften der Heraldik und mit seiner Sammlung von 40.000 Adels- und Bürgerwappen, die ihm einen Eintrag in das Guiness-Buch der Rekorde bescherten, darf seine Aussage hoch anerkannt werden. Kurt Schweder starb am 9. April 2003 im Alter von 78 Jahren.

Kurt Schweder (*12. November 1924 in Essen; † 9. April 2003)

Als die Essener Bürgervereine in 2004 einen Maibaum auf dem Willy-Brandt-Platz aufstellten, entschlossen sie sich dazu , die Essener Stadtteilwappen anstatt der an Maibäumen üblichen Zunftzeichen zu verwenden. Im Rahmen der 6. Maibaumaktion bekam der Essener Stadtverband von Schweders Witwe weitere Unterlagen zu Wappenzeichnungen ihres verstorbenen Mannes. Aus den abgebildeten Wappenentwürfen geht hervor, dass nicht immer die erste Idee von Kurt Schweder zum Erfolg führte. Oftmals musste er fertige Wappen verwerfen oder neu gestalten. Unser geliebtes Wappen von Bergerhausen schaffte es mit dem ersten Entwurf !

Kurt Schweder hat die Wappendeutungen zu seiner Zeit größtenteils noch selbst formuliert, weswegen sie oft heraldische Fachbegriffe oder Formulierungen enthalten, die nicht verändert wurden.

Wappendeutung Bergerhausen:
"Mit der früheren Schreibweise 'Bergarohuson' werden Anwohner eines Berges benannt. Das Wappen ist eine Namensanspielung: Ein Fachwerkhaus auf Dreierberg! Hammer und Schlegel deuten auf den einst betriebenen Erzbergbau hin."

Das Fachwerkhaus ist wohl explizit auf den alten Schürmannhof zurückzuführen, sowie dem Dreierberg im Wappen eine Verbindung zum 'Krausen Bäumchen" nahe steht. Belegt sind diese Angaben nicht, allerdings aufgrund der deutlichen Assoziationen sehr naheliegend.

Die Informationen der letzten Zeilen stammen hauptsächlich aus dem Buch "Kurt Schweders Wappen der Essener Stadtteile" von Johann Rainer Busch, das zum 45-jährigen Jubiläum des Stadtverbandes der Bürger- und Verkehrsvereine Essen e.V. herausgegeben wurde. Für auch über die Stadtteilgrenzen hinaus interessierte Heimatfreunde ist dieses Buch sehr empfehlenswert. Buchbestellungen werden unter info@buergervereine-essen.de entgegen genommen. Der Preis beträgt 14,90 EUR (+ Versand)!

Montag, 11. Januar 2010

Das Malefiz-Spiel - Eine Idee aus Bergerhausen

Sein Name war Werner Schöppner, wohnhaft in der Leinestraße in Essen-Bergerhausen. Mit 26 Jahren war er 1959 Angestellter einer Bäckerei, bekannt wurde er allerdings als Erfinder. Und zwar als Erfinder des bereits über 50 Jahre alten Brettspieles "Malefiz", das an den indischen Klassiker "Pachisi" angelehnt ist.
Der Legende nach, kam Schöppner auf dem stillen Örtchen zu seiner Spielidee, die heute mit "Monopoly" und "Mensch Ärgere Doch Nicht" in einer Liga spielt. Bestätigt ist dieser Mythos allerdings nicht.

als "für alle Bevölkerungsschichten und für alle Altersklassen in gleicher Weise nervaufreibend spannend" vom Bergerhauser Erfinder Schöppner beschrieben

Im Oktober 1959 war Schöppners Einfall in die Tat umgesetzt und soweit ausgearbeitet, dass er sich auf die Suche nach einem Verleger machen konnte. Drei Verlage schrieb der junge Bäcker an. Neben einer Absage blieb ein Schreiben gänzlich unbeantwortet. Erst beim dritten Verlag - dem Otto Maier Verlag Ravensburg - landete Schöppner einen Treffer. Karl Maier, Sohn des Verlaggründers, nahm sich der Idee an und testete das Spiel vorab. Vom Spiel selber hinreichend begeistert, fand der Verleger nur an den vorgeschlagenen Namen ("Bleib ruhig", "Dir roten Stopper", "Sperrenknacker") des Erfinder keine Gefallen und antwortete dem Ideengeber so:
"Was nun die Wahl des Titel betrifft, so bin ich mehr durch Zufall auf einen vielleicht ganz originellen und passenden Titel gestoßen. Meine Frau sagte mitten in einem Spiel: ,Du bist doch ein Malefiz', als ich ihr alle Positionen wegnahm, und da kam mir dann plötzlich, ob man vielleicht das Spiel einfach "Das Malefiz-Spiel" heißen soll. Malefiz hat ja eine doppelte Bedeutung: eine weniger gute von maleficere (lat.: Böses tun), und dann - übertragen - wird einer so benannt, dem man mit der oberdeutschen Bezeichnung Malefizkerl als Draufgänger bezeichnet. An sich trifft die Bezeichnung auch in beiden Fällen nicht übel zu..."

Das Bild des niederländischen Grafikers Alfons van Heusden, das auf dem Karton des Spiels zu sehen ist, fänd heute keine große Beachtung, war in den 50er Jahren dagegen sehr skandalös. Die abgebildeten Personen, die bewaffnet oder nur üppig dekoltiert waren, trafen auf harte Kritik. Der damalige Porgrammleiter Erwin Glonnegger meinte dennoch, dass das Bild "in glücklicher Weise die spannend-ärgerliche Dramatik des Spiels treffen würde". Zumal es für einen Neuentwurf eh zu spät war, da man das neue Spiel auf der Spielemesse im Februar 1960 bereits präsentieren wollte.
Auf ebendieser startete Malefiz dann die große Erfolgskarriere. Bereits 830 Exemplare konnten damals auf der Messe verkauft werden, Ende 1960 waren es dann schon 8000 verkaufte Spiele. 1965 waren es 35000, 1970 bereits 175000 und heute sollen es über 5 Mio. verkaufte Malefiz-Spiele sein.
Mit den ersten Erfolgen kamen auch die ersten Nachahmer: In Frankreich kopierte man die Idee des Bergerhausers unter dem Namen "Barricade", eine US-Version nannte sich "Obstruction". Des Weiteren gab es Fälscher die eine Kopie des Spiels als "Goldrausch" verkaufen wollten und auch Loriot entwickelte eine Kopie, in der die Barrikaden als Beamte dargestellt wurden.

Werner Schöppner, der später nach Dortmund zog, segnete im Januar 1983 das Zeitliche. Zu seinen Ehren sollte in Bergerhausen jedes Jahr ein Werner-Schöppner-Gedächtnisturnier stattfinden. Malefiz in Vierer-Gruppen mit anschließender K.O.-Runde, das Finale vor ausverkauftem Haus im Mittelkreis der Sportanlage 'Am Krausen Bäumchen'. Sollte es soweit kommen, wird hier sicherlich an einen Live-Stream gearbeitet!

In diesem Sinne
Stand your Ground!
45136 Essen-Bergerhausen

Sonntag, 1. November 2009

Re: Käpp'n Büsch

Der Kommentar einer anonymen Bergerhausenerin gab Anlass dazu, nocheinmal auf den Bolzplatz im Wäldchen zu sprechen zu kommen. Der Artikel ist unter in der Kategorie Heimatkunde zu finden.

"Hallo, liebes Team! Also soviel ich weiß, nennt sich der Bolzplatz unten im Wäldchen "Köpp'n Büschchen". Wir Kinder haben zwar immer "Käpp'n Büschchen" gesagt, aber es hat wohl etwas mit einem Herrn namens Köppen zu tun. Auf keinen Fall heißt es "Käpt'n.....!!!!!
Gruß ... eine Bergerhausenerin"

Vorerst ein herzliches Dankeschön an die Schreiberin. Solche Kommentare tragen zur Auferechterhaltung dieser Homepage bei! Sie motivieren und erfüllen den Sinn der ganzen Idee. Dankeschön!

Zum Thema: Über die Schreibweise war bisher große Unklarheit vorhanden, doch diese begründete Richtigstellung gibt endlich Aufklärung.
Die anonyme Verfasserin des Kommentars und auch andere Leser bitte ich darum, mehr Informationen preiszugeben - nicht nur zu diesem Thema! Unter anderem stellt sich die Frage, wer Herr Köppen ist oder war. Bitte die Kommentarfunktion nutzen!

In diesem Sinne
Stand your Ground!
45136 Essen-Bergerhausen

Freitag, 25. September 2009

Der Schürmannhof - Ein Wahrzeichen!

Der Schürmannhof in der Kaninberghöhe ist das letzte bestehende Bauwerk in Bergerhausen, dass an die landwirtschaftliche Vergangenheit des Stadtteils erinnert.
Erstmals am 5. August 1472 als "Schuyrmans Gud" erwähnt, belastete die westfälische Uradelsfamilie Vittinghoff-Schell das Haus mit einer Erbrente von sieben Rheinischen Gulden. Das Hauptgebäude, im Jahr 1810 errichtet worden und das Leibzuchthaus, nochmal 18 Jahre älter, 1792 erbaut, stehen unter Denkmalschutz. Nur die Scheune aus dem Jahr 1900 hat keinen Denkmal-Status.

Bis 1964 lebte auf diesem Hof noch eine Nachfahrin der Familie Schürmann: Maria Wittenberg gen. Schürmann(†1974 in einem Altenheim)

Von 1938 an bewirtschaftete die uns sicherlich noch gut bekannte Familie Gantenberg den Hof. Doch auch diese Ära ist bereits junge Geschichte. Im Jahr 2004 lief der Pachtvertrag mit der Stadt Essen aus. Bauer Gantenberg, der uns Bergerhauser jahrelang mit besten Bio-Produkten versorgte und zum St. Martins-Fest immer ein paar gut gehaltene Gänse für das Weihnachtsfest für einen guten Zweck verloste, musste einem privaten Käufer weichen.
Doch die Tradition des Schürmannhof sollte durch den Denkmalschutz gewahrt bleiben, was auch ganz im Sinne des neuen Bauherrs Dieter Ochel war, der den Charakter des alten Fachwerkhofs über die Richtlininen des Denkmalschutzes hinaus beibehalten wollte. In Abstimmung mit Stadt und Denkmalbehörde konnte der Charme des historischen Gebäudes, trotz Sanierung, beibehalten werden saniert werden.

Der neue Schürmannhof ist von dem klassischen Bauernhofgedanken weg und verfolgt nun ein anderes Konzept. Aus dem letzten Bauernhof von Bergerhausen ist ein Wohnheim für Senioren geworden. Der Flair ist allerdings nicht verloren gegangen, sondern bewusst beibehalten worden. Der Umgang mit Tieren und Natur soll den Senioren frische Lebenskraft geben. Viele Senioren haben im hohen Alter wenig Menschenkontakt und fixieren sich oft auf ein Haustier, das dann einen immens wichtigen Platz im Leben der älteren Generation einnimmt. Sind die Senioren nicht mehr fähig, einen eigenen Haushalt, geschweige denn davon ein Haustier, zu halten, müssen sie zwangsläufig in ein betreutes Wohnheim. Und hier unterscheidet sich der neue Schürmannhof deutlich von anderen Einrichtungen dieser Art. Während woanders den Menschen das liebste Tier weggenommen werden muss und die alten Leute so einen Verlust erleiden, dürfen die Haustiere in Bergerhausen mit in den Schürmannhof ziehen, wo natürlich noch viele andere Tiere untergebracht sind. Eine große Besonderheit sind darunter die lamaähnlichen Alpakas, die schon vielen Spaziergängern aufgefallen sein dürften. Lilli, Isa, Jenny und Liese heißen die vier Südamerikanerinnen, die seit 2008 in Bergerhausen leben. Zwei von ihnen wurden sogar in dem Jahr noch ganz frisch zur Welt gebracht, denn Ochel kaufte die vier Jahre alten Muttertiere schon im trächtigen Zustand.

Doch neben diesen Funktionen hatte der neue Investor Ochel auch eine andere Vision: "Der Schürmannhof soll auch ein Zentrum für die Bergerhauser sein" sagte Ochel in einem Zeitungsartikel vom 09.10.2008 in der WAZ. Das Gelände ist nämlich bestens dazu geeignet, um Feierlichkeiten oder Straßenfeste darauf stattfinden zu lassen. Die Scheune ist mit allem nötigen Equipment ausgestattet, das für eine gelungene Party von Nöten ist. Dazu kann auch noch das Außengelände mit dem Eingangsbereich für gleiche Zwecke benutzt werden. Ein kleineres Sommerfest wurde bereits auf dem Gelände gefeiert. Auch ein Weihnachtsmarkt sei in Überlegung, genauso wie weitere Festlichkeiten im Rahmen des kommenden Kulturhauptstadtjahres 2010! "Wir bieten die Plattform, aber die Bürger müssen mitmachen", so Ochel, was ein starkes Engagement für Bergerhausen widerspiegelt. Ein großes, traditionelles und alljährlich stattfindendes Stadtteilfest auf dem alten Schürmannhof fehlt der Bergerhauser Gemeinde noch. Vielleicht lässt sich in der Richtung noch etwas auf die Beine stellen...

In diesem Sinne
Stand your Ground!
45136 Essen-Bergerhausen

Freitag, 14. August 2009

Bolzplatz "Käpp'n Büsch"

Den Kennern der Bolzplatz-Szene dürfte dieser Namen bekannt sein. Es handelt sich dabei um den beliebten Bolzplatz 'im Wäldchen'. Gelegen zwischen Kassiepenstraße und Guts-Muths-Weg. Auch die Verniedlichung "Käpp'n Büschchen" ist in Bergerhausen eine gängige Titulierung!

Jahrelang spielten die Freizeit-Kicker aus der Umgebung unter schlechtesten Bedingungen auf der grauen Asche. Als Spielfeldbegrenzung, die immer Grund zur Diskussion war, dienten große Felsbrocken, Bäume und der Gehweg. Nur hinter den Toren war ein Zaun gezogen. Die Tore waren unterschiedlich groß, doch beschweren durfte sich das Team, welches das größere Tor hatte, nie - denn es spielte bergab. Das Aluminium an den Toren ist aus Holz, Netze und die darin integrierte Torwand sind aus Metall.
In den letzten Jahren wurde der Kult-Platz "Käpp'n Büsch" zur Freude aller Hobby-Fußballer saniert. Das Spiefeld wurde umzäunt, so dass es nun eine festgelegte, unbestreitbare Spielfeldbegrenzung gibt. Die gesamte Spielfläche wurde geebnet, so dass man den Ball bei Standardsituationen nicht mehr mit Stöcken fixieren muss. Außerdem wurden noch die Pfosten erneuert und die Spielfläche mit neuer Asche belegt.


Sehr schön zu sehen auf dem tagesaktuellem Bild sind der neue Zaun und die sanierte Spielfläche. Was allerdings genauso ins Auge fällt ist das große Loch im Zaun hinter dem Tor, das durch einen im Unwetter gestürtzten Baum entstanden ist. Ein unverhoffter Schaden, der hoffentlich bald behoben wird.
Der Name des Bolzplatzes "Käpp'n Büsch" ist zwar in der näheren Umgebung recht verbreitet, doch über die Herkunft ist nicht allzu viel bekannt. Über die Kommentarfunktion teilte eine Leserin mit, dass der Name mit einem Herren namens Köppen zusammenhängt und die Kinder damals aus dem Köppen einfach ein "Käpp'n" gemacht haben. Sollte jemand über mehr Wissen verfügen, so möge er sich doch bitte per E-Mail mit mir in Verbindung setzen.

In diesem Sinne
Stand your Ground!
45136 Essen-Bergerhausen

Mittwoch, 12. August 2009

Wo liegt eigentlich Bergerhausen?

Für uns Lokalpatrioten ist diese Frage wie ein Schlag ins Gesicht! Es wird Zeit, dass sie ein für allemal aus der Welt geschafft wird.
Bergerhausen liegt im Herzen der Stadt Essen, etwas südlich vom Stadtkern. Unsere direkten Nachbarn sind Huttrop, Steele, Überruhr-Hinsel, Rellinghausen, Stadtwald und Rüttenscheid. Zu sehen sehr schön auf der Stadtkarte bei Wikipedia. Diese Information reichte mir allerdings irgendwann nicht mehr. Ich wollt die genauen Grenzen unseres Stadtteiles erfahren. So schrieb ich einst viele Mails an die Stadt und ihre Ämter. Vergeblich wartete ich wochelang auf Antworten. Ich beschloss, die Sache selber in die Hand zu nehmen und bastelte mir aus unzähligen Screenshots vom Online-Stadtplan der Stadt Essen eine eigene Stadtteil-Karte zusammen. Ungefähr zeitgleich mit der Fertigstellung meiner Arbeit bekam ich eine Mail vom Amt für Geoinformationen - im Anhang eine pdf-Datei mit einem farbigen Kartenausschnitt, in dem die Grenzen von Bergerhausen eingezeichnet sind:


Wer Interesse an meiner hochauflösenden Bergerhausen-Karte hat, auf der jeder kleinste Straßenname leserlich eingezeichnet ist, der darf sich gerne bei mir melden...

So eine Karte hat sicherlich nicht jeder auf seiner Festplatte. Wer bitte weiß schon, wo die genauen Grenzen seines Stadtteiles liegen? Auf einer normalen Stadtkarte sind diese nämlich gar nicht eingezeichnet. Nach den Postleitzahlen kann man nur grob gehen, denn es gibt viele Stadtteile, in denen man unterschiedliche Postleitzahlen hat. Lebt man in Bergerhausen , so hat man aber auf jeden Fall die 45136 - egal, wo man hier wohnt. Dass man mit der PLZ 45136 auf jeden Fall in Bergerhausen wohnt, kann man dagegen allerdings nicht sagen. Randgebiete unserer Nachbarn (Rüttenscheid, Huttrop, u.s.w.) haben ebenfalls die 45136. Aufgrund der starken Verbundheit dieser Zahlenfolge zum Stadtteil, fühlen sich nicht wenige Huttroper oder Rüttenscheider unserem Stadtteil angehörig.
Bestes Beispiel ist die viel diskutierte McDonalds-Filiale an der Eleonorastraße. Laut Grenzangaben Rüttenscheid zugehörig, in der Praxis aber doch eher Bergerhausen zugeordnet, da bis zur A52 noch die PLZ 45136 verbreitet ist.
Wenn es also mal wieder darum geht einem Rüttenscheider zu erklären, dass es sich bei dem Restaurant um ein stück Bergerhausen handelt, kommt das Argument mit der Postleitzahl auf jeden Fall immer gut. Denn lieber haben wir nur eine PLZ, mit der wir uns alle identifizieren, auch wenn sie über die Grenzen hinaus geht, als im Stadtteil selber mehrere unterschiedliche zu haben, so wie es in Rüttenscheid zum Beispiel der Fall ist. Diese Konstellation kratzt nur an der Stadtteil-Harmonie, die bei uns in Bergerhausen wirklich makellos ist.
Schielen wir nur mal etwas weiter Richtung Süden. Da zerfleischen sich die Heisinger untereinander und diskutieren darüber, ob es im "Unterdorf" oder im "Oberdorf" schöner ist. Obwohl unser Stadtteil durch die Ruhrallee geteilt ist wie kein anderer, spürt man hier keinen Konkurrenzkampf zwischen den beiden Teilen Bergerhausens. Das ist nicht selbstverständlich!

In diesem Sinne
Stand your Ground!
45136 Essen-Bergerhausen